--RENATE ANDERL

07.08.2026
Es ist wirklich schon ermüdend, dass wir immer noch darüber reden müssen, wie Frauen zu gerechten Löhnen und Gehältern kommen. Alle bekennen sich dazu, alle finden das gut und richtig und natürlich sagt niemand etwas dagegen, aber trotzdem sind wir mit unserem Gender Pay Gap immer noch eines der Schlusslichter in der EU. Frauen bekommen bei uns fast 18 Prozent weniger als Männer – in der EU knapp über 11 Prozent. Und ein Teil davon lässt sich nicht mit Teilzeit, Qualifikation oder sonstigem erklären – sondern einzig und allein mit der Tatsache, dass es Frauen sind.
Die Lücke schließt sich viel zu langsam, dabei hat uns die EU ein wirklich taugliches Instrument gegeben – die Entgelttransparenz-Richtlinie. Eine Richtlinie mit klaren Regeln, definierten Rechten für die Beschäftigten und klaren Vorgaben für die Betriebe. Das würde Klarheit auf allen Seiten schaffen, die Einkommensgerechtigkeit voranbringen und einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Gender Pay Gaps leisten. Mit einem Wort: für Gerechtigkeit für Frauen sorgen.
Geschlechtsbezogene Entgeltdiskriminierung ist zwar bei uns schon jetzt im Gleichbehandlungsgesetz verboten: Unternehmen sind zur gleichen Bezahlung bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit verpflichtet. Allerdings brauchen wir die Entgelttransparenzrichtlinie trotzdem ganz dringend. Denn die Praxis zeigt, dass der im Gleichbehandlungsgesetz festgeschriebene Grundsatz nicht ausreicht.
In Österreich ist bisher keine nationale Umsetzung gelungen. Das ist bedauerlich, es heißt aber nicht, dass Frauen weiterhin mit ungerechter Bezahlung leben müssen. Wir haben zwar keine nationale Umsetzung – aber die Richtlinie ist ein EU-Gesetz und das gilt selbstverständlich auch bei uns.
Jetzt brauchen wir in Österreich rasch die vollständige und rechtssichere Umsetzung der EU-Lohntransparenz-Richtlinie. Denn gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit – das darf kein theoretischer Rechtsanspruch bleiben. Das muss im Arbeitsalltag auch durchsetzbar sein. Nur Transparenz bei den Einkommen schafft die Voraussetzungen dafür, ungerechtfertigte Unterschiede sichtbar zu machen. Und nur wenn ungerechtfertigte Unterschiede sichtbar werden, können bestehende Rechte wirksam durchgesetzt werden.
Jede Frau in diesem Land kann darauf zählen, dass wir sie im Bedarfsfall auch vor Gericht unterstützen, um ihr Recht auf gleiches Entgelt und die Herausgabe aller Informationen durchzusetzen. Gleichzeitig werden wir den politischen Druck aufrechterhalten, damit die Richtlinie rasch und vollständig umgesetzt wird. Ich habe am Anfang gesagt, dass der Kampf für gleiche Einkommen ermüdend ist – ja, das ist er! Aber wir werden nicht müde werden, diesen Kampf bis zum Ende zu führen.















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