--RENATE ANDERL

RENATE ANDERLn

11.09.2026

Die schlechten Nachrichten für Frauen nehmen nicht ab. Erst Anfang August hatten wir den Equal Pension Day. Also den Tag, an dem Männer in Österreich schon bereits so viel Pension bezogen haben wie Frauen bis zum Ende des Jahres. Anders ausgedrückt, die Pensionslücke zwischen den Geschlechtern beträgt in Österreich beinahe 40 Prozent. 

Seit Monaten nimmt zudem die Frauenarbeitslosigkeit massiv zu. So hat die Arbeitslosigkeitsstatistik, die Anfang September präsentiert wurde, aufgezeigt, dass allein im August 2026 die Frauenarbeitslosigkeit um fast sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Bei Männern ist sie im gleichen Zeitraum leicht zurückgegangen. 

Statt sich den Problemen der viel zu großen Pensionslücke und der steigenden Frauenarbeitslosigkeit zu widmen, verlangen manche allen Ernstes in dieser Situation das Pensionsantrittsalter zu heben. Das ist mehr als nur zynisch. Denn für viele (insbesondere ältere) Frauen, die schon jetzt kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, würde das nur noch größeren Pensionseinbußen bedeuten. 

Frauen verdienen im Arbeitsleben weniger als Männer, übernehmen deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit und haben öfter unterbrochene Erwerbsverläufe. Das Problem sind nicht die Frauen, das Problem ist die strukturelle Ungleichheit. 

Was Frauen jetzt brauchen, sind Initiativen, die diese Ungerechtigkeit beheben. Die Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 67 oder gar 70 ist aber das genaue Gegenteil. Frauen brauchen existenzsichernde Arbeitsbedingungen, damit sie auch bis zur Pension wirklich arbeiten können. Denn die derzeitigen Arbeitsbedingungen führen dazu, dass viel zu viele Frauen aus gesundheitlichen Gründen ihren Job nicht bis zur Pension ausüben können. 

Da viele Betriebe älteren Beschäftigten keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten, hat sich seit Beginn der Anhebung des Frauenpensionsantrittsalter auf 65 die Arbeitslosenquote der Frauen zwischen 60 und 64 Jahren mehr als verdoppelt. Wir als Arbeiterkammer setzen uns deswegen für ein sogenanntes Bonus-Malus-System ein. Das heißt, dass Unternehmen, die auf Erfahrung älterer Beschäftigter setzen, finanziell belohnt werden. Wer jedoch ab einem gewissen Alter aussortiert, wird stattdessen kräftig zur Kasse gebeten. 

Aber es braucht noch viel mehr, so müssen die Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen flächendeckend ausgebaut werden, sie müssen leistbar und hochqualitativ sein. 

Migrantische Frauen müssen zudem durch bessere Qualifizierungsangebote in den Arbeitsmarkt gebracht werden. Und nicht zuletzt muss die EU-Lohntransparenzrichtlinie rasch umgesetzt werden, um die Einkommensdiskriminierung wirksam zu bekämpfen. Wir als Arbeiterkammer werden so lange für die Gleichstellung kämpfen, bis wir sie endlich erreichen. 

 

Ausgabe: 299 / 11.09.2026
Köşe Yazarları | Autoren
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