Sayı | Ausgabe: 217 (12.11.2019)
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Dr. Claudia Laschan

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12.11.2019

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ lautet ein Sprichwort. Kinder zu bekommen ist leicht, Kinder zu haben, ist eine große Herausforderung und Verantwortung. „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ lautet ein Sprichwort. Kinder zu bekommen ist leicht, Kinder zu haben, ist eine große Herausforderung und Verantwortung. 
Die meisten Eltern wollen, dass es ihren Kindern einmal gut geht im Leben, dass sie zufrieden und glücklich werden. Das war nicht immer so in der Geschichte der Menschheit.
Bis in die Spätantike wurden Kinder einfach getötet, wenn man sie nicht ernähren konnte oder sie aus anderen Gründen unerwünscht waren. Im Mittelalter hat man ungewollte Kinder in Klöster gegeben. Die Kinder der höheren Schichten lebten mehr mit den Dienstboten zusammen als mit ihren Eltern. Die Kinder der unteren Schichten mussten schon früh schwer arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Die Kindersterblichkeit war sehr hoch, sodass die Eltern keine besondere Gefühlsbindung zu ihren Kindern aufbauten.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann man die Kinder als eigenständige Persönlichkeiten zu sehen und sah sie nicht mehr als kleine Erwachsene. Das zeigt sich durch kindgerechte Kleidung und Kinderspielzeug.
Die Erziehung war durch Befehl und Gehorsam geprägt. Wer nicht gehorchte, wurde geschlagen. Dadurch wurden Menschen erzogen, die sich unkritisch unterordnen: Der Staatsmacht, der Kirche und dem Militär.
Es gab Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert Pädagogen, die diesen autoritären Erziehungsstil kritisierten und verlangten, dass das Kind geachtet wird und seine kreativen Kräfte gefördert werden. Nicht in Angst vor Prügeln sondern mit Freude lernen!
Die Zeit der Naziherrschaft war in jeder Hinsicht grausam. Auch die Erziehung der Kinder war kalt und lieblos. Ein Buch über Kindererziehung mit dem Titel „Die Mutter und ihr erstes Kind“ war als Ratgeber für junge Familien im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Hunderttausende Menschen wurden nach diesen grausamen Naziregeln erzogen. Kleine Babys sollten nur zu bestimmten Zeiten gestillt werden. Wenn sie Hunger hatten, sollte man sie einfach schreien lassen. Es wurde empfohlen, nach der Geburt den Säugling für 24 Stunden von der Mutter zu trennen. Zuneigung und liebevolles Miteinander waren nicht vorgesehen. Die Kinder sollten zu gehorsamen Soldaten erzogen werden. Dieser Erziehungsstil hat sich noch lange nach der Nazidiktatur auf die folgenden Generationen ausgewirkt. Wer ohne Liebe aufwachsen muss, kann auch seinen Kindern keine Zuneigung geben. 
Heute gibt es sehr unterschiedliche Erziehungsstile. Sicher ist, dass Kinder Unterstützung, Struktur, Sicherheit und Liebe brauchen. Struktur heißt bei einem Kleinkind, dass es auch Grenzen gesetzt bekommt. Bestimmte Dinge (zum Beispiel die heiße Herdplatte) darf man nicht angreifen. Man darf auch nicht auf die Straße laufen oder zu viel Fernsehen. Solche Regeln sind Grenzen, die dem Kind ein Geborgenheitsgefühl geben. 
Autoritäre Erziehungsstile sind für die Entwicklung zur Selbstständigkeit nicht förderlich. Wir wollen doch nicht, dass sich unsere Kinder auf ihrem Lebensweg alles gefallen lassen! Wir wollen sie doch zu selbstbewussten, aktiven Mitgliedern unserer Gesellschaft heranwachsen sehen.
Eine relativ neue Entwicklung ist die Übererziehung. Ein Beispiel sind die „Helikoptereltern“, die ihre Kinder übermäßig überwachen, sie von allen Unannehmlichkeiten fernhalten und ihnen alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Dadurch erzieht man Menschen, die keine Rückschläge ertragen können und nach einem kleinen Misserfolg bereits aufgeben. 
Manche Mütter und Väter wollen schon ein Kindergartenkind entscheiden lassen, was es anziehen wird. Sie wundern sich dann, wenn es ein furchtbares Gebrüll gibt, weil man im Winter nicht mit einem Sommerkleidchen auf der Straße gehen kann. Ein Kleinkind soll entscheiden, was es spielen will. Ich will damit sagen, dass es dem jeweiligen Alter entsprechend ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Autorität und Freiheit geben sollte. Je älter, desto mehr Freiheit. Das wichtigste ist aber eine gegenseitige Vertrauensbeziehung, die Gewissheit, dass man sich aufeinander immer verlassen kann.

Köşe Yazarları | Autoren
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